Rasiermesser schärfen und abziehen: So geht es richtig

Ein Rasiermesser ist nur so gut wie seine Schneide. Damit die Rasur gründlich und angenehm bleibt, braucht die Klinge regelmäßig Pflege. Dabei unterscheidet man zwei Dinge, die oft verwechselt werden: das Abziehen auf dem Lederriemen und das eigentliche Schärfen auf dem Schleifstein. In diesem Ratgeber erfahren Sie, was der Unterschied ist, wann Sie was tun sollten und wie Sie Ihr Rasiermesser Schritt für Schritt abziehen.

Abziehen oder Schärfen: der Unterschied

Beim Abziehen wird die feine Schneide auf einem Lederriemen wieder ausgerichtet. Während der Rasur biegt sich die hauchdünne Kante minimal um. Das Leder richtet sie wieder auf und poliert sie. Abziehen gehört deshalb vor jede Rasur.

Beim Schärfen oder Schleifen wird dagegen Material von der Klinge abgetragen, um eine neue Schneide zu formen. Das ist nur nötig, wenn das Messer trotz Abziehen nicht mehr sauber schneidet, je nach Nutzung etwa alle paar Monate bis einmal im Jahr. Das Schleifen auf dem Stein erfordert Übung. Viele Nassrasierer überlassen es deshalb einem Fachbetrieb.

Das richtige Werkzeug

  • Abziehriemen: Das wichtigste Werkzeug für die tägliche Pflege. Der Herold Puller Belt Classic wird in Solingen aus Rindsleder gefertigt und ist auch als doppelseitiger Riemen mit Juchtenleder und Hanfgurt erhältlich. Eine Alternative ist der Böker Abziehriemen Top Finish mit doppelseitigem Leder.
  • Spannschraubriemen: Der Spannschraubriemen aus Juchtenleder wird über eine Schraube gespannt und muss nicht aufgehängt werden.
  • Pasten: Mit einer Paste auf dem Riemen lässt sich die Schneide zusätzlich verfeinern. Die Herold Stangenpasta gibt es mit mittlerer bis feiner und mit extrafeiner Körnung.
  • Pflegeöl: Böker Kamelienöl schützt Klingen aus Kohlenstoffstahl vor Rost.

Rasiermesser abziehen: Schritt für Schritt

  1. Riemen spannen: Hängen Sie den Riemen auf und halten Sie das Ende straff. Ein durchhängender Riemen rundet die Schneide ab.
  2. Klinge flach auflegen: Legen Sie das Messer flach auf den Riemen, sodass Rücken und Schneide gleichzeitig aufliegen. Die Schneide zeigt zu Ihnen.
  3. Rücken voraus ziehen: Ziehen Sie das Messer mit dem Rücken voraus vom Haken weg, also nie mit der Schneide voraus, sonst schneiden Sie in das Leder.
  4. Über den Rücken drehen: Am Ende des Riemens drehen Sie das Messer über den Rücken, nicht über die Schneide, und ziehen es zurück.
  5. Wiederholen: Ziehen Sie die Klinge 20 bis 40 Mal pro Seite ab, mit wenig Druck und gleichmäßigem Tempo.

Am Anfang lohnt es sich, langsam zu arbeiten. Geschwindigkeit kommt mit der Übung, entscheidend sind ein flacher Winkel und gleichmäßige Bewegungen.

Wann muss das Rasiermesser geschliffen werden?

Wenn das Messer trotz regelmäßigem Abziehen an den Haaren zieht oder die Rasur deutlich unangenehmer wird, ist die Schneide stumpf. Dann reicht Abziehen nicht mehr. Ein Fachbetrieb schleift die Klinge auf feinen Steinen neu, danach genügt wieder das Abziehen auf dem Leder. Auch eine kleine Scharte in der Schneide lässt sich nur durch Schleifen beheben.

Pflege nach der Rasur

Spülen Sie das Rasiermesser nach der Rasur ab, trocknen Sie es gründlich und lassen Sie es offen ausdunsten, bevor Sie es zuklappen. Klingen aus Kohlenstoffstahl sollten Sie danach hauchdünn einölen. Pflegen Sie auch den Riemen: Die Herold Pflegepaste für Abziehriemen hält das Leder geschmeidig.

Wer sich den Aufwand sparen möchte, findet bei der Shavette eine Alternative mit Wechselklinge. Alle Messer mit fester Klinge finden Sie unter Rasiermesser.

Häufige Fragen

Wie oft muss ich ein Rasiermesser abziehen?

Vor jeder Rasur, etwa 20 bis 40 Züge pro Seite.

Wie oft muss ein Rasiermesser geschliffen werden?

Je nach Nutzung alle paar Monate bis einmal im Jahr, spätestens wenn Abziehen nicht mehr reicht.

Kann ich ein Rasiermesser selbst schleifen?

Ja, mit passenden Steinen und Übung. Für Einsteiger ist ein Fachbetrieb oft die sicherere Wahl.

Warum zieht man das Messer mit dem Rücken voraus?

Damit die Schneide nicht in das Leder schneidet und der Riemen unbeschädigt bleibt.